Es begann in den frühen 80igern...

Infiziert durch eine Scheibe von Status Quo (Geschenk des werten Bruders) sowie durch Mel Sundocks Hitparade entwickelte sich bei einem jungen und dynamischen Mindener ein sehr gitarrenlastiger Musikgeschmack. Weiter ging´s mit Whitesnake, Moore, Priest, Maiden, Saxon und was alles so in war. Die Jungs waren cool, die hatten lange Haare, was die Altvorderen auf die Palme brachte (was ja bekanntlich immer gut ist), trugen Lederklamotten und fuhren Motorrad. Außerdem sahen die Groupies tierisch aus. Es gab nur eine Konsequenz: Mitmachen!
 
Als der erste turnusmäßige Friseurtermin abgesagt wurde, gab's Mecker, nachdem die nächsten auch ausfielen, wurde es lauter (was sollen die Nachbarn denken?), und als die Maiden-Kutte Premiere hatte, war der Tag gelaufen. Sei es drum, so langsam wurden die weiblichen Objekte der Begierde aufmerksam. Allerdings hatte eine Gruppe von Konkurrenten noch einen entscheidenden Vorteil: Sie spielten Gitarre. So ging`s nicht weiter, also den Altvorderen einigermaßen besänftigt und zum Kauf einer E-Gitarre nebst Verstärker genötigt (war übrigens 'ne gebrauchte Squier JV, gutes Gerät). Nach 'nem bisschen Üben gab es erste Banderfahrungen, übrigens zusammen mit dem Erbauer unserer Homepage. Man, watt für´n Lärm. Und siehe da, es klappte mit dem weiblichen Objekt. (Anmerkung des Webmasters: Beim Erbauer der Homepage übrigens nicht...).
 
Teilziel erreicht, aber jetzt wurde die ganze Materie langsam interessant, gerade auch die technische Seite, als alter Modellbauer will man ja auch wissen, wie es drinnen aussieht. Also Gitarren zerlegt, gelötet, gemacht und getan. Kurz danach ging's los, die ersten technisch weniger interessierten Bekannten wollten auch was gemacht haben, also wurde auch an deren Brettern gewerkelt. Schule und Abi waren nervig, als Ausgleich für die dort erlittenen seelischen Grausamkeiten bot sich die Chance, nachmittags oder auch während des Blaumachens in einem Mindener Musikalienhandel als Aushilfe zu jobben. Interessanterweise ist der damaligen Azubi des Ladens mittlerweile nach einigen beruflichen Veränderungen jetzt wieder bei uns im Team. Der Eigentümer des Ladens war leider ein seltsamer Zeitgenosse, der nicht wirklich offen für neue Ideen war (was will man von einem Tastendrück-Alleinbenerver und Midifile-Junkie auch erwarten), also Tschüss gesagt. Zivildienst, Lehre, Auto- und Motorrad-Fahren, Musik und natürlich die weiblichen Verlockungen waren auch so tagesfüllend.
 
Nach vorzeitiger Beendigung der Industriemechaniker - Lehre (sorry, aber morgens nen Mariacron im Automatenkaffee, mit der Bild auf's Klo und ähnliche Rituale waren nicht die Erfüllung) kam dann der Moment, zu entscheiden, was passieren soll. Maschinenbau-Studium oder Rock`n Roll, die Frage war schnell geklärt und ich begann in einem Hannoveraner Laden mit P ein Praktikum. Zu der Zeit war das dortige Team richtig klasse, Hannover war Deutschlands Rock City No. 1, alles war gut. Viele Leute kennen gelernt, viele Kontakte geknüpft, sehr viel über's Geschäft gelernt.
 
Irgendwann war die Zeit jedoch um, die nächste Entscheidung ( und die bisher wichtigste in meiner beruflichen Laufbahn) stand an. Die Idee des eigenen Ladens war geboren, allerdings dann wieder in Minden. Nach einigen Verhandlungen wurde die Sache konkreter und Anfang Dezember 1993 wurde PPC Minden als Franchise – Nehmer von PPC Hannover eröffnet.
 
Der Laden lief, der Tastendrück-Mitbewerber schloss ab, der zweite unsägliche Musikladen Mindens kurz danach. 1996 wurde die Kooperation mit PPC beendet, fortan war's dann Musik Oevermann. Als weitere Standbein entwickelte sich die Veranstaltungstechnik und der PA-Verleih, der in den Jahren der Jahrtausendwende maßgeblich dazu beitrug, das abflauende Instrumentengeschäft zu Techno-Zeiten zu kompensieren. Von '98 bis '03 war ich eigentlich mehr auf Tour als im Laden.
 
Im Jahre 2000 lief mir dann ein weibliches Wesen durch die Tür, das die weitere Geschichte von Musik Oevermann maßgeblich beeinflussen sollte und auch heute als Frau Oevermann immer noch tut. Glaubt mir, Frauen, noch dazu wenn sie die Buchhaltung machen, regieren die Welt.
 
Ab 2002 kam dann die Rückbesinnung auf's Wesentliche, nämlich Gitarren verkaufen. Musik machen war wieder cool, die ferngesteuerten Techo-Spacken verschwanden von der Bildfläche, Musiker kauften wieder Gitarren und keine DJ-Pulte. Wir begannen, nach neuen Räumlichkeiten zu suchen, den ollen gemieteten Keller hatten wir langsam leid.
 
Ab 2004 wurde die Akustik-Abteilung deutlich erweitert, um den sich ändernden Kundenwünschen zu folgen. Der Schritt erwies sich als Volltreffer, die neuen Räume wurden immer dringender. Anfang 2005 war es soweit, ein altes Möbelhaus wurde übernommen, leider mit Möbeln noch drin. VEB Span und Platte vom Feinsten in der Bude, Giftmüll auf dem Hof, Heizung ohne Funktion, erste Zweifel kamen auf, ob das alles so richtig war. Zurück ging`s nicht mehr, also losgelegt, die Möbel verkauft (entsorgen wäre zu teuer geworden) und lustig mit vielen Helfern drauflosgebaut. Nach und nach wurde es immer ansehnlicher, der Eröffnungstermin rückte näher, der Nervenzusammenbruch der besten Frau von allen auch.
 
Am Abend vor der Räumung des alten Ladens setzt ein freundliches Unwetter den bereits verpackten Warenbestand dort unter Wasser, auch der neue Laden blieb nicht verschont. Der Gipfel für Fraus Nerven war erreicht, als zwei Tage vor der Eröffnung palettenweise neue Ware kam, die einsortiert werden musste. Heutzutage haben wir den vierfachen Warenbestand vom damaligen Tage im Laden, damals war sie jedoch der Meinung, noch eine Gitarre mehr, und das Dach fliegt weg.
 
Egal, datt Zeuch muß rein, der blonde Zyklon, der hinter seinem Schreibtisch rotierte und für mittlere Verwüstungen sorgte, wurde nur im Notfall und mit Vollwetterschutz aufgesucht. Am 13.08 2005 war es geschafft, pünktlich fünf Minuten vor der Eröffnung wurden die letzten Schrauben festgezogen. Tür auf und .... keiner da!
 
Ratlose Gesichter, irgendwas vergessen, über Nacht die Stadt ausgestorben oder was?? Dann kam „der Bus“, eine gute Stunde später waren Abteilungen wegen Überfüllung unpassierbar und der Teppich partiell schon wieder renovierungsbedürftig.   
 
Seit diesem Tag ging es mit MOM deutlich voran, der Warenbestand wuchs und wurde qualitativ immer besser, die Spezialisierung auf Nischenmarken und hochwertige Produkte erweiterte den Kundenstamm europaweit.
 
Heute verkaufen wir auf etwa 600 m² Fläche mehrere Hundert Gitarren pro Jahr (Tendenz deutlich steigend), haben ein supernettes Team zusammen und arbeiten ständig daran, besser zu werden .
 
Manchmal zahlt es sich doch aus, nichts vernünftiges gelernt zu haben...
 
Wird fortgesetzt